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Tunesien

U cannolo siciliano

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Nach den letzten Ereignissen und der Ermordung eines Oppositionspolitikers in Tunis scheine ich wiederum zum richtigen Zeitpunkt das Land verlassen zu haben. Die Fähre bringt mich nach Sizilien und Trapani. Hier erwarten mich meine Eltern, um ihren Sohn nach 688 Tagen freudig umarmen zu können.

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Als wir um Mitternacht  mit der Fähre anlegen, ist von ihnen jedoch keine Spur zu sehen. Ich rufe sie an. Sie schlafen in der Pension. Da die Fähre mit über zwei Stunden Verspätung ablegt, teile ich das noch rechtzeitig per SMS mit. Allerdings wird das Boot die Verspätung bis Trapani aufholen können, meine SIM Karte aber nicht mehr funktionieren.IMG_7004 (1024x683)In Trapani verbringen wir zusammen einen Tag, machen einen Ausflug nach Erice, das hoch oben auf einem. Ich fahre dann mit dem Velo los, zunächst Richtung Küste, vorbei an den Salinen von Trapani, wo einige Flamingos zu sehen sind. Nach Marsala entdecke ich zu meinem Erstaunen, dass sich an der Küste ein recht gut ausgeschilderter Veloweg befindet. Ich nehme den bis nach Agrigento.

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Sizilien ist der richtige Ort, um mich langsam wieder an Europa zu gewöhnen. Der Kulturschock sitzt noch nicht so tief. Die Sizilianer sind keine Meister, was Ordnung, Disziplin und Sauberkeit anbelangt. Was mir nach Afrika auffällt, sind die leeren Felder, nur sehr wenige Schafe und Hirten sehe ich. Dörfer sind ausgestorben, praktisch keine Menschen sind unterwegs. Was hingegen die Preise für Gemüse und Früchte anbelangt, scheint Sizilien weltweit das beste Preis-Leistungsverhältnis zu haben. Sonnengereifte Tomaten, die noch diese Bezeichnung verdienen, für einen halben Euro. Wunderbare saftige Pfirsiche für einen Euro das Kilo.

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Essensmässig ist Sizilien ein Schlaraffenland. Wie sehr habe ich mich nach dem Essen hier gesehnt: Salami, Pecorino, Oliven, Pasta, Gelato, la granita… und dann die cannoli siciliani, eine Spezialität, von der ich oft geträumt habe, als ich in der Wüste gegen Hitze und Wind gekämpft habe. Ein Gebäck mit Ricotta gefüllt, das schwer auf dem Magen liegt.

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In anderen Bereichen steht Sizilien allerdings ganz schlecht da. So scheint das Abfallwesen ein Sorgenkind zu sein. Strassenränder und Parkplätze müssen als Mülldeponien herhalten. Abfall wird wild entsorgt. Die Insel ist dreckiger als die meisten Orte, die ich in Afrika gesehen habe. Auch das illegale Bauen scheint ein Volkssport zu sein. Immerhin hat die Insel im Kampf gegen die Mafia Fortschritte gemacht.

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Unterwegs duftet es nach wildem Fenchel und reifen Feigen. Olivenhaine, Kapernsträucher, Kaktusfeigen und Weinreben säumen den Weg. Die Insel ist bergig, hügelig. Ich fahre vorbei an La Sciacca,  einem Fischerort, und zelte am Strand. Hier werde ich dann von “Camperisti” aus Palermo zum Abendessen eingeladen.

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Als ich in Agrigento während der Mittagshitze Rast mache, fährt ein Vespa mit Schweizer Nummernschild an mir vorbei. Sofort steige ich aufs Rad in der Hoffnung, ihn einholen zu können. Vergeblich. Jedoch dreht dieser um und fährt mir plötzlich entgegen. Es ist ein pensioniertes Basler Paar, die mit einer Sonderedition eines dreirädrigen Ape vier Wochen lang Sizilien erkundet. Für mich ist es das erste Gespräch auf Schweizerdeutsch seit langem. Und das letzte unter sengender Sonne. Das nächste Mal suche ich mir lieber  einen Schattenplatz.

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Unterwegs treffe ich immer wieder Afrikaner an: aus dem Senegal, Marokko, Nigeria und Eritrea. Zwei Eritraern schenke ich eine halbe Melone. Sie seien vor zwei Wochen in Lampedusa gestrandet und nun in einem Zentrum untergekommen. Ich kann mit Ihnen ein paar Worte Amharisch tauschen, worüber sie sehr amüsiert sind.

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Ich fahre an der Scala dei Turchi vorbei. Ein Felsen aus Tuffstein, das einen schönen Strand umgibt. Ich habe keine Zeit, um ein Bad zu nehmen und fahre zur Mittagszeit weiter.

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Ich will mich beeilen, denn ich will ins Landesinnere, nach Milena. Spontan besuche ich hier Katie, ihre Eltern und ihr Ehemann Ivano, die im Raume Basel ein Elektrikergeschäft führen. Der Abschnitt von Agrigento zum Dörfchen Milena, das über 400 Meter hoch liegt, ist landschaftlich reizvoll. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass in dieser Gemeinde die Strassen sehr sauber sind und keine wilde Müllentsorgung und Littering betrieben wird. Hier in Milena kann ich dann den wohl besten Cannolo Siciliano bei der Pasticceria Palumbo geniessen.

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In einem Tag geht es dann über hügelige Landschaften zur Provinz Enna. Die Stadt Enna ist die höchste Provinzhauptstadt von ganz Italien. Noch rund 20 Kilometer bis Valguarnera, wo ich wieder meine Eltern treffe, die den Sommer auf ihrem Landsitz verbringen, umgeben von Oliven- und Birnenbäumen. Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich das letzte Mal vor elf Jahren in Sizilien war.

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Es wird zu meinen Ehren ein Fest organisiert, an dem sogar der Sindaco, der Bürgermeister erscheint und eine kleine Rede hält.  Zum Abschluss meines Aufenthaltes in Valguarnera organisiert mein Pate, il Padrino, einen Reitausflug. Zu Fünft galoppieren wir rings um das Dorf. Anschliessend wird ein Männerabend veranstaltet, an dem Pecorino, Pasta Aglio e Olio, Salsiccie und Dolci verspiesen werden.

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Lesotho und Revolution zum Zweiten

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Nervenkitzel zum Abschluss meines Afrika-Aufenthaltes. Die Ruhe vor dem Sturm. Nachdem ich mir in Südafrika und Lesotho eine Auszeit genommen habe, fliege ich am 2. Juli nach Kairo zurück. Ich komme um 5 Uhr 40 an. Es ist bewölkt. Der Wüstenstaub und der Smog decken die 20-Millionenstadt Kairo in einen grauen Schleier ein. Sobald ich vom Flieger aussteige, kleben mir die Kleider am Leibe. Ich bin mir diese schwüle Hitze nicht mehr gewohnt. Im winterlichen Südafrika ist es derzeit angenehm frisch. Ich bin etwas besorgt und gespannt. In den letzten Tagen gab es anlässlich des einjährigen Jubiläums des neuen Präsidenten Morsi Demonstrationen und Kundgebungen auf dem Tahrir-Platz. Unzufriedenheit, Unmut macht sich breit. Wirtschaftlich geht es bergab mit dem Pharaonen-Staat. Auch die undemokratische Richtung, die Morsi und die Muslimbrüder eingeschlagen haben, behagt vielen nicht. Das Land ist tief gespalten.

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Ein Taxi bringt mich westlich des Nils in den Stadtteil Mohandiseen, wo ich mein Velo bei drei jungen Studenten aus England, Amerika und Italien untergestellt habe. Sie studieren in Edinburgh “Internationale Beziehungen” und absolvieren einen Arabisch-Intensivkurs. An diesem Tag werden sich die Ereignisse überstürzen. Nachdem ich etwas Schlaf vom Nachtflug nachgeholt habe, begebe ich mich zum Sprachinstitut, wo Steve, Sam und Marco studieren. Alle anwesenden Studenten verfolgen gespannt und aufgeregt die aktuellen Geschehnisse im Fernsehen. Die Leute fordern den Rücktritt von Morsi, während dieser, gedeckt von den Muslimbrüdern, nicht im Geringsten daran denkt. Wieso auch ? Er ist demokratisch gewählt worden. Das Militär stellt sich auf die Seite der Demonstranten – und Morsi ein 48-stündiges Ultimatum, um eine friedliche Lösung herbeizuführen. In wenigen Stunden wird es ablaufen. Was wird passieren ? Nach Ablauf der Frist entmachtet das Militär putschartig Morsi.

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Freudenjubel bricht bei den Menschen aus. In der ganzen Stadt werden Feuerwerke gezündet, Autofahrer hupen, schwenken Fahnen, Gewehrschüsse werden abgefeuert. Mit dem mitgebrachten südafrikanischen Rotwein und Billtong stossen wir auf die zweite Revolution an. Steve geht spätabends noch auf den Tahrir-Platz, um die vibrierende Volksfest-Stimmung vor Ort zu erleben, während die meisten Sprachstudenten noch in dieser Nacht unter Waffenschutz nach Jordanien evakuiert werden. Meine drei Gastgeber wollen noch in Kairo bleiben.

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Es wird eine sehr kurze Nacht werden. Ich fahre am nächsten Tag ins Zentrum. Ich habe ganz andere Sorgen. Ich will ein Paket aufgeben, um ein paar Kilogramm für den Flug nach Tunesien abzuspecken. Die dicke, sperrige Wolldecke aus Lesotho kann ich zudem in den naechsten Wochen nicht gebrauchen. Und ich muss noch den Flug buchen. Die Taxifahrer sind erfreut über den Ausgang der Demonstrationen. Das Leben in der Metropole scheint normal weiter zu gehen. Ich begebe mich zum Tahrir-Platz, wo bloss eine Handvoll Demonstranten übriggeblieben ist. Es herrscht eher Katerstimmung, viel Abfall liegt herum, beissender Gestank von Urin liegt in den Strassen. Ich wäge ab. Es ist Donnerstag, ich könnte bereits am Freitag fliegen. Aber ohne einen Blick auf die Pyramiden und die Sphinx zu erheischen, moechte ich nicht verreisen. Also buche ich für den Samstag und besuche am Freitag mit meinen Gastgebern die Pyramiden. Auf den letzten Drücker sozusagen. Wir sind praktisch die einzigen ausländischen Touristen.

Die Muslimbrüder lassen die Absetzung ihres Präsidenten nicht ohne weiteres auf sich sitzen und blasen nach dem Freitagsgebet zum Angriff, während Kampfjets den ganzen Tag lang die Macht des Militärs demonstrieren. Es folgen Gegendemonstrationen, Sitzproteste, in denen drei Mursi-Anhänger getötet werden. Die Intialzündung für weitere Tote. Abends dann erhalten meine Gastgeber die Nachricht, dass sie in den nächsten Stunden zwingend evakuiert werden. Ein Taxifahrer bringt mich um 5 Uhr morgens zum Flughafen. Die Strassen sind leergefegt, wir kommen gut voran. Doch auf halber Strecke fahren wir im Vorort Nasr City in eine Protestaktion rein, Stacheldraht und Panzerwagen versperren die Hauptverbindung zum Flughafen. Mir ist leicht mulmig. Zum Glück habe ich aber das Taxi fünf Stunden vor dem Flug (der ohnehin noch zwei Stunden Verspätung haben wird) bestellt. Wir nehmen einen Umweg. Endlich treffe ich dann im Flughafen ein und kann einchecken. Und ausatmen.

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Doch nun zurück nach Südafrika, nach Lesotho. Ich stelle mein Velo bei Sam, Steven und Marco in Kairo ein und fliege runter nach Johannesburg, wo der Winter Einzug hält. Nachts ist es kalt und eisig, tagsüber sonnig und frisch. Die Luft ist rein, der Himmel stahlblau. Zusammen mit Shawna, eine Peace Corpse Volunteer, die ich seinerzeit in Lesotho kennengelernt habe, verbringen wir zunächst einige Tage in Südafrika, in Clarens und im Golden Gate National Park.

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Dieses Bergland, drei Viertel so gross wie die Schweiz, hat mir auf meiner Durchreise bereits sehr gut gefallen, die Leute waren sehr freundlich. Die Stimmung ist enstpannt, die Leute gehen gemächlich ihren Alltagsgeschäften nach, die meisten Männer tragen einen Kobo, eine dicke Wolldecke. Verhandeln ist hier verpönt. Man wird nicht übers Ohr gehauen. Die meiste Zeit verbringe ich in Mohales Hoek, wo Shawna ihrer Tätigkeit als Peace Corps Volunteer beim Ministry of Agriculture nachgeht. Sie lebt hier in einem landestypischen Rondavel mit einem Strohdach. Einige Meter entfernt ein aus Wellblech improvisierter Stall für die vier Schafe von Ntaté Lefu, der mich wie üblich mit einem breiten Grinsen begrüsst.

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Langweilig kann es einem in einem bergigen Land nicht werden. Im Hinterhof von Mohales Hoek gibt es viele Hügel und so unternehmen wir viele Wanderungen, erkunden Höhlen, Schluchten und besteigen einige Berge. Es macht Spass, frühmorgens loszubrechen, einen Gipfel anzupeilen und dorthin zu trekken. Unterwegs treffen wir immer wieder Schafhirten an. Unser treuer Begleiter ist jeweils Seriti, auf Sesotho Schatten, ein frecher junger Hund, der stetig an Vertrauen gewinnt, es sichtlich geniesst, Berge hinaufzukraxeln und besonders Freude daran hat, Schafherden und Kinder zu verscheuchen. Bei einer Wanderung verweigert er jegliche Nahrungs- und Wasseraufnahme. Wir befürchten schon, dass er vergiftet wurde. Doch zum Glück wird er abends wieder seine gewohnte Ess-Aggression finden, um die wir für einmal froh sind.
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Als erstes nehmen wir den Hausberg von Mohales Hoek in Angriff: Thaba Linoha, der Schlangenberg. Die Tage sind kurz und so starten wir in der Dunkelheit im Schein unserer Stirnlampen. Beim ersten Aussichtspunkt eröffnet sich das Tal, Morgennebel hängt schwer in der Luft und gibt in der Dämmerung ein tolles Farbspektakel ab. Von weitem studieren wir die kahle Bergflanke, um eine geeignete Route ausfindig zu machen. Das lose Geröll und ein paar Felsstufen zwingen uns zu besonderer Vorsicht. Selbst Seriti wird es dann irgendwann einmal zu bunt, er winselt und will über ein paar Felsen getragen werden. Doch nach ein paar Stunden haben wir es geschafft, sind oben und können endlich die Aussicht auf die Berge und das benachbarte Flusstal bestaunen.
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Mit dem Mietauto unternehmen wir dann später einen Ausflug ins Landesinnere und zur höchsten Strasse des südlichen Afrika. Unterwegs bestaunen wir einige Dinosaurier Fussabdrücke und Felszeichnungen von Buschmännern. Dann geht es ständig bergauf, bis zum höchsten Punkt auf über 3’255 M zum Tlaeeng Pass, der höchsten befahrbaren Strasse im südlichen Afrika. Unser kleines Mietauto kann natürlich nicht mithalten mit den übermotorisierten SUV’s aus Südafrika, die für ein verlängertes Wochenende nach Lesotho zum Skifahren und Snowboarden brettern. Im Afriski-Resort gibt es das Ganze Drumherum, das man an einem Skiort findet: Ski – und Snowboardverleih, Après-Ski, Restaurant, Bars, Chalets, Backpacker und trendiger Laden. Ach ja, und eine niedliche, kaum halben Kilometer lange Piste, die mit Kunstschnee am Leben erhalten wird. Aber fuer  uns gibt es keinen Platz zum Schlafen. Ausser im Mietwagen, in dem wir eingepackt in den Schlafsäcken eine eisig-kalte Nacht verbringen.

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Wir fahren anschnliessend zum Katse-Dam. Ab hier ist die Strasse nicht mehr geteert und in einem schlechten Zustand. Für die 60 Kilometer nach Thaba Tseka benötigen wir fast vier Stunden. Dass wir mit dem Auto unterwegs sind, spricht sich bei den anderen Peace Corps Volunteer dank BlueBerry schnell rum und so nehmen wir unterwegs noch zwei Kolleginnen mit, die zur Hauptstadt Maseru fahren wollen.

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Diesmal habe ich ausgiebig Zeit für ein Ponytrekking, zwei Tage bin ich zusammen mit meinem 20-jährigen Guide Ntaté Ntabo auf Schusters Rappen unterwegs. Der beste Ort, um ein solches Trekking zu organisieren, ist die Malealea Lodge im Suedwesten des Landes. Es ist eindrücklich, wie die Ponies durch steile Abschnitte und loses Geröll vorankommen. Wir trekken ins Tal des Ribaneng, schlafen dann in einem kleinen Dorf.
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Eine unschoene Szene erleben wir, als wir in einem Minibus unterwegs sind. Ploetzlich haelt der Verkehr an, ein Bus hat sich aus welchem Grund auch immer quer zur Strasse gestellt. Ein entgegenkommendes Taxi weicht auf das holprige Feld aus, brettert mit unverminderter Geschwindigkeit darueber. Ploetzlich geht die hintere Tuere auf, eine uebergewichtige Mutter mit einem Kleinkind auf dem Ruecken gebunden faellt aus dem Fahrzeug und knallt auf den Boden, rollt einige Male. Die Frau blutet im Gesicht, schreit verzweifelt. Der Zustand des Kindes scheint kritisch zu sein.

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Zurück in Johannesburg habe ich einen halben Tag Zeit, die ich nutze, um ein paar Stunden im aufschlussreichen Apartheid-Museum zu verweilen. Dann geht es wieder zurück nach Kairo. Von dort fliege ich dann weiter nach Tunis. Nach Ägypten ist Tunesien eine richtiggehende Umstellung. Tunis ist sauber, europäisch, geordnet. Ein grosser Boulevard lädt zum Flanieren ein. Die Tunesier leben einen moderaten, aufgeschlossenen Islam. Frauen in Burkas sind hier nicht zu sehen. Kopftücher sind eher die Ausnahme. Abends schliessen alle Laeden. Ich fühle mich wohl hier. Die Tunesier sind kontaktfreudig. Viele Jugendliche sind neugierig auf meine Meinung über Tunesien, wo der arabische Frühling vor über zwei Jahren sich wie ein Brandfeuer ausgebreitet hat.

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Drei Tage lang absolviere ich mein Pflichtprogramm. Das touristische Städtchen Sidi Bou Said, das moderne Museum Bardo, wo viele einzigartige Mosaike aus Karthago höchst professionnel und zeitgemässs ausgestellt sind. Trotz Hitze kann ich mich doch  noch dazu überwinden, einige Steinhaufen in Karthago anzuschauen. Wohlwissend, dass  der Roemer Cato mit seinem “ceterum censeo carthaginem esse delendam” im Senat durchdrang und die Stadt im Dritten Punischen Krieg dem Erdboden gleichgemacht wurde.

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In Tunesien freue ich mich auch, wieder einmal ein traditionelles Hammam zu besuchen, wo ich von einem Masseur durchgeknetet und geschrubbt werde. Ich verirre mich in der UNESCO-geschützten Medina, wo die Händler im ägyptischen Vergleich richtiggehend zahm sind. Es ist jetzt im Juli eindeutig zu heiss, um noch das Landesinnere von Tunesien und die Wüste zu erkunden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Inshallah ! Von Tunis nehme ich die Fähre, die mich in sechs Stunden nach Sizilien, meinem Heimatland bringt !

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