• Namibia

Tansania

Zum heiligen Berg der Massai

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Bevor ich über meinen letzten Ausflug berichte, liegt es mir am Herzen, meine Spendenaktion für Helvetas in Erinnerung zu rufen. Ich sammle derzeit für die letzte Etappe, fuer ein Hängebrücken-Projekt im Norden Äthiopiens, in der Region Tigray. Von Nairobi, wo ich mich gerade aufhalte, ist es nicht mehr so so weit weg. Deshalb: es wäre toll, wenn sich die Unentschlossen und die Auf-Die-Lange-Bank-Schieber sich dazu durchringen könnten, ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

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Nun aber zurück nach Tansania. In Arusha, am Fusse des Mount Meru, komme ich beim Amerikaner Erik und seiner tansanischen Ehefrau Bernice unter. Erik lebt seit über 35 Jahren in Tansania, sein Vater hat in Tansania eine Schule gegründet. Ich lerne ihn über ein Netzwerk für Tourenradler kennen. Als ich ihn kontaktiere, hält sich gerade ein anderer japanischer Tourenradler, Sekiji, bei ihm auf. Sekiji habe ich vor Wochen bereits ebenfalls kontaktiert. Ein anderer japanischer Radler hat mir vor Monaten von ihm erzählt.
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Von Arusha führt eine gut geteerte Strasse nordwärts schnurstracks zur kenianischen Grenze. Doch irgendwie habe ich Lust, noch einen Schlenker zu machen, abseits auf Pisten zu fahren. Ngorongoro, Serengeti und Lake Manyara können nur mit organisiserten Safaris für unanständig viel Kohle besucht werden. Für mich ausser Reichweite. In zwei, drei Tagen würde ich dort mein Monatsbudget verbraten. Aber als ich die Karte genauer studiere, entdecke ich den Vulkan Oldoinyo Lengai, den heiligen Berg der Massai, nördlich des Ngorongoro Kraters. Dass „Buscharzt“ Stevens, ein Freund von Erik, in der Gegend wohnt passt perfekt. Erik kennt das Gebiet gut und gibt mir noch einige Tipps. Doch zunächst ersetze ich das Tretlager an meinem Drahtesel. Danach nichts wie los: an einem Tag fahre ich zunächst nach Mto Wa Mbu, am Rande des Lake Manyara, in einem sehr fruchtbaren Gebiet. Dort stocke ich meine Vorräte auf: Ananas, Orangen, Grapefruit, Mango, Gurken, Tomaten, Avocado, Brot. Übrigens besteht der Verkehr zwischen Arusha und Mto Wa Mbu schätzungsweise zu zwei Drittel aus Safaris-Jeeps, die zu den grossen Parks fahren.

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Auf einer recht passablen Piste fahre ich nun am westlichen Rand des Ngorongoro-Hochlandes entlang. Das Gebiet liegt in einer Senke, es kann dort sehr sehr heiss werden. Ich habe aber Wetterglück: abgesehen von einem Sandsturm macht der Himmel zu, es ist bewölkt, nicht mehr so heiss. In Engaruka esse ich einen Teller Reis und Bohnen, fahre dann sofort weiter, ohne mir die Ruinen eines über 500 Jahre, geheimnisvollen alten komplexen Bewässerungssystems anzuschauen. Eingefleischte Archälogiebegeisterte mögen mir das verzeihen. Doch ich muss weiter, Wasser gibt es nach Engaruka keines mehr.
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Nach 10 Km, als der Busch aufhört und es wüstenhafter wird, sehe ich eine Boma, eine kraalartige Festung der Massai. Die farbenprächtigen Massai sind ein Nomadenvolk, die Viehzucht betreiben, im Norden Tansanias und Süden Kenias ansässig. Sie stellen sich aktiv dem Wandel entgegen und leben wie seit Jahrhunderten. Das Vieh steht im Mittelpunkt des Lebens, liefert eine Vielzahl von wichtigen Gütern: Blut, Fleisch, Milch, Häute und Felle. Die Massai jagen so gut wie gar nicht. Frauen haben in der patriarchalischen Gesellschaft, die Vielweiberei zulässt, nicht viel zu melden. Die Zeiten haben sich geändert: Dürre, Bevölkerungsdruck, Landrestriktionen, Schulbildung und Gesundheitsfragen schränken die Lebensweise der Massai zunehmend ein. Auffallend ist der Ohrschmuck und geweitete Ohrlöcher, bei Frauen wie auch bei Männern. Junge Männer werden traditionell beschnitten. Die Beschneidung wird ohne Betäubung, ohne hygienische Massnahmen vollzogen. Die Jungen dürfen keinen Schmerz zeigen, es wäre eine Schande für die Familie. Schon wenige Tage später dürfen sie auf Vogeljad gehen. Sie kleiden sich danach noch monatelang schwarz. Tradition scheint auch die Angewohnheit zu sein, ohne Wasservorraete unterwegs zu sein. Sehr oft werde ich um Wasser gebeten.
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Nun, ich denke mir: wieso nicht in dieser Boma übernachten? Ich bekomme so einen Einblick in das Leben der Massai. Klar doch, ich darf mein Zelt innerhalb aufstellen. Als ich noch im Adamskostüm hinter einem Dorngebüsch mich mit tiefbraunem Wasser wasche, von dem ich nicht so recht weiss, ob ich danach wirklich sauberer bin, kommt schon ein Jüngling mit Speer dahergelaufen, lässt sich vom Anblick nicht beeindrucken und meint forsch, ich müsse dann der „mother“ etwas bezahlen. Selbstverständlich, ich werde ihr natürlich ein Geschenk machen. Nichts da, 50‘000 Schilling, rund 30 Dollar, solle ich bezahlen. Ein lächerlich hoher Preis – eine Nacht in einem sauberen Guesthouse, inklusive Dusche und Badtuch kostet rund 5-7‘000 Schilling. Ich habe keine Lust zu verhandeln. Obschon es schon dämmert, meine ich genervt, dass ich mein Zelt wieder zusammenpacke und ausserhalb zelten werde. Schlussendlich bleibe ich, bezahle 10‘000 Schilling und verziehe mich sofort ins Zelt. Noch in der Dunkelheit starte ich am nächsten Tag. Ich nehme es den Leuten nicht übel, die exorbitanten Preise für Safaris mögen einen falschen Eindruck erweckt haben. Doch der Weisse gilt als Krösus – und ist es auch im Vergleich zum äusserst bescheidenen Lebenstil der Massai.

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Ich fahre nun am Vulkan Oldoinyoi Kerimasi (2‘614 m) vorbei. Schon bald sehe ich dann endlich den Oldoinyo Lengai (2‘878 m), den „Berg Gottes“ in der Sprache der Massai. Der Gott Engai trohnt auf ihm. Die Massai glauben, dass Engai ihnen alle Rinder der Erde überlassen haben und alle anderen Rinderbesitzer folglich Viehdiebe sein müssen. In der Vergangenheit war dies oft Auslöser für blutige Auseinandersetzungen. Es hat ihnen den Ruf des „kriegerischen“ Massai eingebracht. Auch geologisch ist der aktive Vulkan mit einer gleichförmigen Form einzigartig. Es ist weltweit der einzige Vulkan, der Karbonatitlava fördert, das so dünnflüssig wie Wasser ist.

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Die östlich führende Abzweigung zum Dorf Gelai-Bomba finde ich nur nach einigem Suchen – ich bin ja ohne GPS unterwegs. Eine Viehpfad führt nun durch ein wunderschönes Gebiet, umgeben vom Kerimasi, dem Lengai und den Vulkanen Ketumbeine und Gelai. Es wird auch die kleine Serengeti genannt. Ich sehe Zebras, Gnus, Antilopen, Giraffen (auf dem Bild oben ist eine zu sehen!), Störche, Greifvögel und sogar Spuren einer Grosskatze. Einige Kilometer lang muss ich das Rad durch weichen Untergrund und steinige Flussbette schieben. Seit Wochen scheint hier niemand mehr vorbeigefahren zu sein.
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Als ich in Gelai Bomba ankomme, fängt es an zu regnen. Am nächsten Tag komme ich in Ketumbeine an, wo ich beim Arzt Stevens und seiner Frau Bethanie unter. Die Klinik wird von der Lutheran Church betrieben und versorgt die Massai in der Gegend. Als Haustier hält Stevens ein lustiges Tier, ein Dirkdikdik, eine kleingewachsene Gazelle. Weniger lustig ist, dass ich zusehen darf, wie Stevens einer schwangeren Patientin mit Ultraschall diagnostiziert, dass ihr ungeborenes Kind tot ist. Bethanie kümmert sich um ein Projekt, das Frauen ein geringes Einkommen sichert, indem sie Schmuck herstellen.
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Bevor ich die Teerstrasse erreiche, fahre ich einer Gruppe von neunzehn Giraffen entgegen. Schon bald bin ich dann an der Grenze zu Kenia. In zwei Tagen erreiche ich dann die Hauptstadt von Kenia, Nairobi, in Anspielung an den schlechten Ruf auch „Nairobbery“ genannt. Da ich hier die Visas für die Weiterfahrt besorgen muss, bleibt mir ein Aufenthalt nicht erspart. Doch ich habe das Gefühl, bei den richtigen Leuten zu landen. Der Couchsurfer Tristen und seine kenianische Ehefrau Gee beherbergen mich. Sie sind mir eine grosse Hilfe, mich in dieser Grosstadt zurecht zu finden. Kleine Welt: Sekiji war auch bei Ihnen und ein anderer deutscher Radler, mit dem ich einige Emails ausgetauscht habe, ebenfalls. Ich finde hier in Nairobi auch schnell Ersatz für meine billige, abhand gekommene Plastikuhr. Dass die Uhren hier in Afrika anders ticken, ist mir schon bewusst. Aber die Uhr verrichtet sozusagen im afrikanisch untypischen Eiltempo ihre Arbeit und ist nach einem halben Tag schon zwei Stunden voraus.

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Und hier noch ein kleines Video zum Abschluss:

 

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A Kind Of Magic

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Den letzten Reisebericht habe ich aus Dar Es Salaam veröffentlicht. Mittlerweile sind vier Wochen vergangen, wovon ich zwei Wochen „Urlaub“ gemacht habe. Meine Schwester Maria stattet mir hier in Tansania einen Besuch ab. Sie kommt von einer tollen Safari durch die berühmtesten Parks – die Serengeti, Ngorongoro-Krater und Lake Manyara. Ich fahre ihr ein Stück entgegen. Wir machen dann in den Usambara-Bergen ab, genau genommen in der Mambo Viewpoint Lodge (LINK) ab. Ein beschwerlicher Weg, denn von der Hauptstrasse muss ein Bus nach Lushoto genommen werden, von dort sind es dann nochmals 3 Stunden mit einem überfüllten Dalla-Dalla über eine gewundene Erdpiste durch den Gemüsegarten von Tansania und vorbei an einer Anzahl von kleinen verschlafenen Dörfern. Die Landschaft ist grün, üppig. Möhren, Kohl, Tomaten werden hier auf rund 1‘500 M.ü.M. angepflanzt.
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Nach über 16 Monaten unterwegs also kann ich wieder ein Familienmitglied umarmen ! Die Freude über das Wiedersehen ist gross. Die Mambo Viewpoint Eco-Lodge ist erst vor vier Jahren eröffnet worden. Die Lage ist sensationell mit atemberaubenden Blicken auf die Buschlandschaft der Mkomazi-Ebene. Die Lodge bezieht die Dorfgemeinschaft ein, versucht deren Kompetenzen zu stärken und sie zu eigenen Geschäftsaktivitäten zu animieren. Nach einem Spaziergang durch das Dorf Mambo und einem lokalen Essen in einer Mgahawa, einer einfachen Schenke, laufen wir wieder zurück hoch zur Lodge. Die Einheimischen veranstalten Tanz und Musik, doch vor Silvester sind wir schon im Bett, denn am nächsten Tag geht es um 6 Uhr früh wieder los.
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Wir fahren zurück nach Dar Es Salaam, um die Fähre auf die Insel Sansibar zu nehmen. Der Name klingt mythisch, weckt Fernweh, bürgt für Exotik. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht mit einer knarrenden Segel-Dau setzen wir über. Mit einem modernen, klimatisierten Schnellboot fegen wir mit über 30 Knoten in eineinhalb Stunden auf die Insel Unguja. Wir legen in der Altstadt von Sansibar, in Stone Town an. Zum Glück bleiben die meisten der jährlich 100‘000 Touristen, wovon alleine ein Drittel italienischer Herkunft sein sollen, nicht in Stone Town, sondern sürmen die weissen, palmengesäumten Strände rings um die Insel.
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Bereits arabische Handelsleute gründen vor über 1‘000 Jahren Handelstützpunkte auf der Insel. Persische Händler aus Shiraz segeln im 8. Jahrhundert nach Ostafrika und legen sich hier nieder. Sansibar entwickelt sich in der Folge zu einem reichen Staat, der Handel mit Sklaven, Gold, Elfenbein und Gewürzen blüht. Der Handel mit dem Osten bringt dann auch die islamische Kultur und die städtebauliche Entwicklung ins Land. Im 16. Jahrhundert schauen die Portugiesen vorbei, danach die Briten und schliesslich die Omanis, welche die alleinige Herrschaft anfangs des 19. Jahrhunderts übernehmen. Der Handel mit Nelken, Sklaven und Elfenbein erstarkt derart, dass der Sultan von Oman um 1840 seinen Hof vom persischen Golf nach Sansibar verlegt.
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Es braucht nicht viel Zeit, sich vom Zauber der verwinkelten, engen Kopfsteingassen der Altstadt einnehmen zu lassen. Tagelang kann man sich hier verirren, alten Männer mit kofias (Mützen) schlürfen gerne Kaffe, spielen das Brettspiel bao, unterhalten sich. Frauen in schwarzen Gewändern tratschen, Kinder spielen Fussball. Die Stadt ist sehr muslimisch geprägt, die meisten Frauen tragen farbige Kopftücher, auch Burkas sind zu sehen. Gut verhüllt ist ein anderes Phänomen hier in Sansibar: es gibt viele Drogensüchtige. Heroin wird direkt aus Pakistan importiert. Spottbillig. Ein US-Dollar das Gramm.
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Nicht verbergen kann Sansibar den berühmtesten Sohn der Insel, Farrokh Bulsara, besser bekannt unter dem Künstlernamen Freddie Mercury. 1946 wird er auf der Insel als Sohn einer wohlhabenden parsischen Familie geboren. Als Achtjähriger muss die Familie nach Indien fliehen, später geht er nach Indien. 1991 stirbt die Ikone für Schwule an den Folgen von HIV. HIV und Homosexualität: zwei Tabuthemen hier auf Sansibar. Entsprechend umstritten ist der Sänger von Queen auf der Insel.
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Doch die Einheimischen sind, trotz einigen kopflosen Touristen, die leichtbekleidet herumlaufen oder den Bierwanst zur Schau tragen, tolerant, freundlich, heissen uns mit einem freundlichen „Karibu“ willkommen. Besonders pittoresk ist der kleine, äusserst belebte Hafen im Norden von Stone Town, wo die ankommenden Fischer belagert werden. Nebenan finden sich etwas versteckt bedeckte Garküchen, in die sich die wenigsten Touristen wagen. Aber gerade hier kommen wir schnell ins Gespräch mit Menschen. Abends versammelt sich die schick gekleidete Bevölkerung in den Forodhani-Gärten, wo es Spiesschen am Laufmeter gibt.
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Die Strassenhändler buhlen auf recht eindringliche Weise um die Touristen, drücken einem einen Pappteller in die Hand und leiern das Angebot runter: Jumbo Prawns, Shirimpsi, Octopus Mix, Lobster spice, Lobster no spice, Chicken Masala, Chicken non Masala, Ginger Beef, Tuna, Barracuda, Snaper, Solomoni Fish, Chappati, Coconoti Breadi, Garlic Breadi, Simusi Breadi, Falafel, Samosa Vegetarian, Somasa Beef, Mahendi (Cassava), Bread Fruiti, Chipsi. Eine leckere Auswahl kann dann mit einem kräftigen Schluck frisch gepressten Zuckerrohrs, verfeinert mit Limetten und Ingwer, runtergespült werden. Der Garten ist ein beliebter Treffpunkt. Viele Jugendliche springen allabendlich bei Flut zur Belustigung der Zuschauer ins Wasser und vollziehen oftmals kunstvolle Piroutten. Die Sonnenuntergänge könnten am Strand von Stone Town nicht kitschiger sein.
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Eine halbtägige Spice-Tour auf der Gewürzinsel ist schon fast ein Muss. Mr Mitu führt täglich viele Interessierte auf einige Plantagen, und man lernt Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer, Kardamom, Vanille, Kurkuma, Zitronengras und viele andere Pflanzen im Naturzustand kennen. Anschliessend wird ein feines Gemüsecurry serviert und zum Abschluss wird man noch an einen tollen Sandsttrand geführt, wo man eine Stunde lang im azurblauen, warmen Wasser planschen kann.
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Ebenfalls nicht verpassen sollte man auf Sansibar einen Schnorcheltrip. Die Korallenriffe und die Unterwasserwelt im türkisblauen Meer vor der Insel sind weltberühmt. Zwei Stunden Schnorcheln, unterbrochen von einem leckeren Lunch mit vielen Früchten, sind ausreichend, um gehörig Sonne abzubekommen und sich von der reichen Unterwasswelt bezaubern zu lassen.   OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Von Sansibar aus wagen Maria und ich uns auf die zweite grosse Insel, Pemba, die praktisch keine Touristen zu sehen bekommt. Man bekommt hier entsprechend auch keine netten Lodges und gestilten Restaurants mehr zu sehen. Pemba ist noch sehr ursprünglich und pittoresk. Nachts gibt es in der Hauptstadt Chake Chake eine Handvoll einfacher Holzstände, von Petrollampen notdürftig beleuchtet. Hier wird auf Zeitungspapier frittierter Pweza (Tintenfisch), Maandazi (Donuts) und Mishikaki (Fleischspiesschen) serviert. Ansonsten muss man sich mit Chipsi – Mayai, einer Art Tortilla, begnügen.
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Von Chake Chake buchen wir einen Ausflug auf die kleine Insel Misali, die seit 1998 geschützt ist. Nur Tagesbesucher sind erlaubt, Luxuslodges glücklicherweise nicht. Der Tag vergeht wie im Fluge: Schnorcheln vor dem Korallenriff, ein Spaziergang zu einem faszinierendem Mangrovenwald, in dem uns vor allem die Einsiedlerkrebse in den Bann ziehen.
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Mustafa, unser Kapitän, tischt uns ein einfaches, aber köstliches Mittagsessen mit Salaten und Früchten auf. Zur Verdauung kann man in einer Stunde man in knapp einer Stunde rings um die Insel laufen, durch lauschige Wälder, vorbei an einem kleinen Fischercamp mit grossen Baobabs, zu einem Strand, der von Meereschildkröten als Brutstätte aufgesucht wird. Oder man kann einfach im türkisblauen Meer baden, auf dem weissen Strand laufen und die Seele baumeln lassen.
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Ein weiterer Ausflug führt uns zum Städtchen Wete mit einem Dalla-Dalla, einem lokalen Bus. Pemba ist bekannt für die Gewürznelken. Wir entdecken ein Lagerhaus, in dem Nelken von der ganzen Insel zum Trocknen und zum Verkauf hergebracht werden. Am Hafen werden Oktopusse versteigert. Es ist Freitag, die Geschäftsaktivitäten ruhen zur Mittasgzeit, alle Läden und Restaurants schliessen, die Männer versammeln sich in der Moschee zum Freitagsgebet.
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Von der Insel Pemba aus gönnen wir uns einen Flug zurück auf das Festland, da dieser nur unwesentlich teurer ist als mit dem Schnellboot zurück nach Daressalam. Aus der Vogelperspektive können wir diesmal die Inselwelt von Pemba und Sansibar bestaunen. Ich darf mich besonders glücklich schätzen, da ich im Cockpit Platz nehmen darf.
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Im verschlafenen Tanga, das uns gut gefällt, ruhen wir uns einen Tag lang aus. Die indischstämmige Bevölkerung ist hier stark vertreten. Wer längere Zeit in Tanga lebe, der werde „inergetic“, meint ein Pakistani. Mit dem Bus fahren wir zurück nach Daressalam, wo ich mich dann nach zwei tollen Wochen schweren Herzens von Maria verabschiede.
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Ich bin wieder auf dem Rad. Zunächst fahre ich nach Bagamoyo, nördlich von Dar. Mitte des 19. Jahrhunderts war Bagamoyo noch bedeutend. Die Karavanenrouten vom Tanganjika-See endeten hier. Bedeutende Entdecker wie Burton, Stanley und Livingstone begannen hier ihre Expeditionen.
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Danach radle ich durch den Nationalpark Saadani, in dem Velos gestattet sind. Die Erdpiste ist gut befahrbar. Viele Affen, Flamingos, Warzenschweine und Kudus sind in der schönen Buschlandschaft auszumachen. In Pangani dann nehme ich Kurs auf die Usambara-Berge und radle nordwestlich Richtung Kilimanjaro. Endlich geht es dann etwas in die Höhe, auf rund 1‘000 M.ü.M. wird dann das Klima endlich wieder erträglicher, die Luft ist nicht mehr so feucht wie an der Küste. In Moshi, am Fusse des Kilimanjaro, mache ich dann vorerst Halt, um die Weiterfahrt nach Norden planen zu können.
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Safari Njema

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In Mosambik leide ich noch unter der Hitze. Doch sobald ich tansanischen Boden betrete, hält die Regenzeit Einzug. Die Strasse bis Tansania ist nach Pemba zunächst noch asphaltiert, verwandelt sich danach aber zu einer sandigen Piste. Doch dank der grossen Erdöl- und Erdgasvorkommen sind  Arbeiten im Gange, um die Strasse von Palma nach Pemba zu asphaltieren. Eigennutz der Ölmultis dürfte hier eine Rolle spielen.  Die Dörfer am Wegesrand haben immer noch keinen Strom und es ist fraglich, inwiefern die Menschen von diesem Boom profitieren werden.

 

Als ich in Palma ankomme, bin ich sauer. Wohl kein guter Tag. Der Versuch, mit Einheimischen Windschatten zu fahren, scheitert. Wie immer. Jedesmal  geben sie mächtig Gas, um es dem Weissen mit seinem überlegenen Material zu zeigen. Und jedesmal biegen sie nach wenigen Minuten in eine Nebenpiste ab, die Kette springt raus oder ein anderer sonstiger Defekt legt sie lahm. Dieses mal aber fahren mir zwei Typen lange Zeit davon, lassen mich partout nicht ran.

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In Palma habe ich das Gefühl, dass mich alle wie eine Weihnachtsgans ausnehmen wollen. Ich bin es müde, um Lappalien feilschen zu müssen, lange zu diskutieren. Ein Kilo Zwiebeln kosten 50 Meticais. Und zwei kleine Zwiebeln ? 25 Meticais ! Sapperlot. Er solle mir bitte ein halbes Kilo Zwiebeln abwägen. Fein, das sind beinahe zehn Stück. Nein, ich will nicht ein halbes Kilo, nur zwei Zwiebeln. Wieviel kosten nochmals zwei Stück ? 25 Meticais !

Aber Afrika wäre nicht Afrika, wenn nicht auf die Peitsche Zucker und Brot folgen. In Palma treffe ich zwei Motorradfahrer aus Südafrika, Bossie und sein Sohn Quinten. Nette Gesellschaft, ein unterhaltsamer Abend. Genau das, was ich brauche. Wir zelten zusammen vor einer Pension, plaudern, während mir eine portugiesische Dame aus Braga (praktisch einen Steinwurf von meiner galicischen Wurzel entfernt) die Calamari säubert, die ich dann später unter die Spaghetti mische.

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Unterhaltsam muss dann für beide Südafrikaner auch der Grenzübertritt nach Tansania gewesen sein. Es gibt keine Brücke, nur einen Fluss mit niedrigem Wasserstand, wo man mit einem einfachen Holzboot rübersetzen kann. Mit dem Velo kein Problem. Kostet mich 300 Meticais, umgerechnet 10 Euro. Aber mit zwei schweren Motorrädern ? Alles ist möglich in Afrika. Gegen eine Kleinigkeit von 160 US-Dollar. Eine ganze Fussballmannschaft hievt die schweren Räder in das Boot rein und läuft dann rüber. Dreieinhalb Stunden dauert das Spektakel, das ich leider verpasse, weil ich ja zunächst bis zur Grenze radeln muss. Am tansanischen Zoll aber hole ich die beiden dann ein.

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Karibu! Willkommen in Tansania. Übrigens eine Wortschöpfung aus Tanganjika und Sansibar. 1964 verband sich die ehemalige britische Kolonie Tanganjika mit Sansibar. Im Südosten leben noch vorwiegend die matriarchialisch strukturierten Makonde. Die Frauen tragen wie überall in Afrika bunte Röcke, häufig nun aber auch farbige Kopftücher. Ich entdecke die ersten Masai-Hirten am Wegesrand. Ab und zu sogar Frauen in einer Burka. Die Vollverschleierung wirkt hier im heissen, bunten Schwarzafrika, wo die Leute gerne lachen und scherzen, wie die Faust aufs Auge.

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Einmal in Tansania angekommen, lassen die Regenschauer nicht lange auf sich warten. Oftmals fahre ich mangels Unterstand einfach im Regen weiter, bin pflotschnass, bis die Sonne wieder rauskommt und den Boden dampfen lässt. Als ich von Lindi starte, öffnet der Himmel seine Pforten. Die schliessen sich aber nicht nach einer halben Stunde, wie sonst üblich. Den ganzen Tag regnet es Bindfäden. Immer wieder suche ich Unterschlupf unter Vordächern von einfachen Lehmhütten, komme nicht voran. Ringsherum bilden sich Bäche, Rinnsale, stehendes Wasser. Nach 30 Kilometern muss ich in Michinga bereits Halt machen. Dort gibt es zum Glück ein einziges Guesthouse. Zwar etwas schäbig, aber mit Strom und immer noch besser als in einer Pfütze das Zelt aufzustellen.

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Hier in Tansania muss ich übrigens nicht um Zimmerpreise feilschen. Zwar ist der Standard oft sehr einfach, meist ohne Ventilator. Wenn man Pech hat, läuft in einer Bude gegenüber die ganze Nacht laute Musik. Momente, in denen man sich nach einen Stromunterbruch sehnt. Doch die Preise sind unschlagbar: die billigsten Zimmer gibt es schon ab 4‘000 Schilling, rund CHF 2.50.  In der Regel finde ich für 5-10‘000 tansanische Schilling ein akzeptables Zimmer. In Dar es Salaam sieht es dann mit den Preisen freilich anders aus, dafür ist der Standard gehoben. Kein Vergleich zu den oftmals überteuerten Bruchbuden vielerorts in West- und Zentralafrika.

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Von wenigen Ausnahmen abgesehen, spricht im  Südosten von Tansania, niemand Englisch, das keine Amtsprache ist. Gemäss offizieller Sprachpolitik ist Englisch für die Universitäten, die  höheren Gerichte und den Bereich der  Technologie vorgesehen, verliert aber zusehends an Bedeutung im gesellschaftlichen Leben. Es herrscht Swahili vor, Nationalsprache von Tansania und Kenia, eine der am weitesten verbreiteten Sprachen in Afrika, gesprochen von rund 50 Millionen Menschen. Ich kann mich nicht davor drücken, mir möglichst rasch einen Grundwortschatz zuzulegen. Jeden Tag geht es dann schon viel besser. Begrüssungsfloskeln, Zählen, Einkaufen und  Verhandeln sind mittlerweile kein Problem mehr.

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Unterwegs halten mich nebst Regenschauer auch einige Platten auf. Eine willkommene Abwechslung und ein Schauspiel für die Dorfbewohner, dem „Mzungu“ zuzuschauen, wie er den Schlauch vom Rad demontiert. Es wird jeweils laut gelacht, wenn ich den Schlauch danach wieder aufpumpe und nicht nach afrikanischer Art in einen Kübel voll Wasser halte. Irgendein Dorftrottel beziehungsweise ein alkoholisierter Genosse sorgt dann garantiert für zusätzliches Amüsement der Dorfgemeinschaft, zieht seine Faxen, löchert mich mit Fragen, obschon ich ihn nicht verstehe. Über fahrradtechnische Probleme kann ich mich übrigens bis anhin nicht gross beklagen. Zweimal musste ich den Gepäckträger schweissen lassen.  20‘000 Kilometer fordern aber ihren Tribut. Das Tretlager fängt nun an zu lottern und muss ersetzt werden. Zum Glück erhalte ich hier in Tansania Besuch und Ersatzmaterial aus der Schweiz.

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Die Strasse von Mtwara kurz nach der Grenze zu Mosambik bis nach Dar es Salaam ist übrigens praktisch durchgehend asphaltiert. Nach der Michelin-Karte, keine vier Jahre alt, müsste es sich um eine während der Regenzeit unbefahrbare Erdpiste handeln. Entweder können die Kartenhersteller nicht mit dem Strassenbau in Afrika Schritt halten oder sie ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus.

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Auf halbem Weg zwischen der Grenze zu Mosambik und Dar es Salaam gönne ich mir einen Ruhetag in Kilva Kivinje, unweit vom historisch bedeutenden Kilva Kisivani. Kivinje ist anfangs des 19. Jahrhunderts von omanischen Arabern gegründet worden, später wurde es zu einem Zentrum  für den regionalen Sklavenhandel und zu einem  deutschen Verwaltungsort. Ein Monument, mit Unrat verziert, zeugt noch von der Kolonialzeit. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft hat es im Andenken an zweier ihrer Beamten, die „am 24. September 1988 in der Verteidigung ihres Hauses gegen den Aufruhr den Heldentod fanden“, errichtet.

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Der Ort strahlt einen morbiden Charme aus. Alte Häuser mit dicken moosbewachsenen Mauern sind am zerfallen, stehen kaum noch. Die Boma, ein grosses Handelshaus am kleinen Hafen, trotzt dem Zahn der Zeit, während sich viele Jugendliche mit Kiffen die Zeit vertreiben. Ich komme in einem alten deutschen Handelshaus unter mit einem wunderbaren Ausblick auf den kleinen Hafen. Am Nachmittag ist Flut, die Boote zu den umliegenden Inseln wie Songa Songa oder Mafia nehmen ihre Fahrt auf. Strassenhändler verkaufen leckere kleine frittierte Tintenfische. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut hier am indischen Ozean ist eindrücklich. Der Wasserpegel wechselt um mehrere Meter. Touristen sehe ich hier keine. Nationalparks, teure Lodges und der Kilimanjaro sind weit weg. Unbemerkt kann man sich hier als Weisser nicht bewegen. Die Leute sind aber freundlich, zuvorkommend, vor allem wenn man sich um ein paar Brocken Swahili bemüht.  Abends sitze ich mit Jugendlichen zusammen, rede stundenlang über die Unterschiede zwischen Europa und Afrika.

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Gewisse Vorurteile in Bezug auf Afrika halten sich ja hartnäckig. So soll das Essen nicht überragend sein. Zumindest in Bezug auf Früchte ist die vorgefasste Meinung aber Käse. Das Angebot ist zur Zeit einfach grossartig: die Mangosaison ist in vollem Gange. Die ganz grossen Exemplare gibt es für rund 20 bis 30 Rappen. Bananen, inklusive Frittierbananaen sind allgegenwärtig. Es gesellen sich Jack-Fruits , die ich hartnäckig verschmähe, zuckersüsse Ananas und zum Ausgleich herrlich leicht säuerliche Passionsfrüchte. Für das Bounty-Feeling sorgen Kokosnüsse, zum Essen oder zum Trinken. Nicht zu vergessen die Papayas und sogar Wassermelonen gibt es zur Erfrischung. Und wer es bissfest mag, schnappt sich eine Tüte von Cashew-Nüssen. Der Anblick eines Apfels in Dar es Salaam mutet dann schon sehr exotisch an.

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Auf das Händewaschen legen die Tansanier grossen Wert. Bei der kleinsten Garküche steht ein Kübel, oft sogar mit heissem Wasser, und Seife parat. Morgens gibt es überall leckere Chapatis, Pfannkuchen, gekochte Eier, frische heisse Milch, frittiertes Gebäck. Mittags Reis oder Ugali, ein Maisbrei, mit Bohneneintopf, Tomatensuppe. Auch wird zu meiner Freude überall gewürzter, leicht scharfer Tee getrunken. Bei einem heissen Tee lässt sich ein Regenschauer am besten absitzen. Wer es eilig hat, giesst den Tee nach und nach auf die Untertasse und trinkt ihn laut schlürfend. Diese Sitte habe ich bereits im Iran beobachtet; dort wird freilich ein Stück Zucker zwischen die Zähne geschoben, bevor der Tee getrunken wird.

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Keine Frage: die Ritter der Strasse sind für mich die Velofahrer, die über 100 Kilogramm schwere Säcke mit Holzkohle oder riesige Körbe voller Mangos transportieren. Beim geringsten Gefälle steigen sie ab und schieben ihr Eingang-Stahlross indischer oder chinesischer Herkunft von hinten. Der Lenker wird durch Gummibänder gerade gehalten. Die Schweissperlen laufen in diesem tropischen Klima nur so runter. Beim Anblick dieser Männer komme ich mir meiner Kettenschaltung und meinen Packtaschen wie auf einem Rennrad vor.

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Dar es Salaam ist erreicht ! Ich habe mir angewöhnt, wenn möglich weniger als 50 Kilometer vor einer Grosstadt zu übernachten, um nächstentags ausreichend Zeit zu haben, um ausgeruht in das Verkehrschaos einzutauchen und zur Mittagszeit bereits eine Unterkunft auf Nummer Sicher zu haben. Es bedeutet aber jedesmal Stress, die volle Aufmerksamkeit ist gefragt. Busfahrer nehmen hier keine Rücksicht. Aber es geht gut, ich finde rasch das Zentrum und eine relativ günstige Bleibe. In Dar es Salaam ist der indisch-arabische Einfluss und die Swahili-Kultur stark spürbar. Eine grosse Zahl von indischstaemmigen Menschen lebt hier. Die Stadt ist am Wachsen, viele moderne Hochhäuser werden errichtet, ein breites Angebot an Supermärkten, Banken. Sicher nicht die unangenehmste Stadt in Afrika. Das Velo lagere ich für ein paar Tage ein, Weihnachten in Zanzibar sind angesagt ! Ich wünsche allen besinnliche und zufriedene Festtage. Bis bald, euer Maurizio.

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