Es geht immer noch weiter…

Zum Glück. Denn ich hatte sehr aufmerksame Schutzengel. Was man drei Monate vor der Abreise am wenigsten braucht, ist ein böser Velounfall. Samstag, 21.5.2011, blendendes Wetter, ideal für eine Ausfahrt mit dem Renner über den Passwang. Die Autofahrer scheinen an diesem Samstag etwas zu spinnen, zwei Mal werde ich in einem Kreisverkehr fast abgeschossen. Beim dritten Mal könnte es schiefgehen, geht es mir einen Sekundenbruchteil durch den Kopf.  Auf der Passhöhe hole ich einen anderen Velofahrer ein, wir tauschen einige Worte aus, ich kontrolliere, dass mein Helm gut angezogen ist, nach den Serpentinen warte ich auf ihn, wir fahren für kurze Zeit nebeneinander, bis ich merke, wie von hinten ein Schatten auftaucht. Ich beschleunige auf ca. 45 km/h, der andere Velofahrer reiht sich im Windschatten hinter mir ein. Die Strasse ist leicht abschüssig. Der Jeep mit Pferdeanhänger überholt uns dann langsam, einige Meter vor mir schwenkt er langsam wieder auf die rechte Seite der Fahrbahn ein. Ich denke mir: “Der hat den Überholvorgang beendet, die Luft ist rein”.

Dann geht alles sehr schnell, nur ganz wenige Sekunden vergehen. Weder der hinter mir fahrende Velofahrer noch ich sehen je die Blink- oder Bremslichter leuchten. Und tatsächlich geht der Idiot voll auf die Bremse. Der Kollege hinter mir hat die Lunte geruchen, kann noch rechtzeitig bremsen, ruft mir “Pass auf !” zu. Trotz Notbremsung realisiere ich, dass ich sogleich zum Dummy mutieren werde, kann den Kopf noch einziehen, und knalle mit der Vorderkante des Helmes voll in den Anhänger rein. Ich schlage beide Knie auf, instinktiv lasse ich den Lenker los und versuche mit beiden Händen nach irgendetwas am Anhänger zu greifen. Nach einigen Metern kommt dann der Bauer zum Stillstand und ich falle zu Boden. Der Bauer kümmert sich zunächst um seinen Schafsbock hinten im Anhänger, der es überlebt hat, ich auch zum Glück. Mein Gesicht fühlt sich warm an, ist blutüberströmt. Der Nacken tut weh. Mir ist klar: wenn ich mir jetzt was gebrochen habe, werde ich dieses Jahr nicht mehr starten können. Im Spital werde ich in die Röhre geschickt. Nach Analyse der Computertomographie dann endlich Entwarnung: weder am Schädel noch an der Halswirbelsäule etwas gebrochen. Puuuuuuhhhh !!! Der Bauer hat nun eine Strafanzeige am Hals und tut sich keinen Gefallen, als er dem Polizist gegenüber äussert, dass er ja am arbeiten sei und wir (die beiden Velofahrer) Freizeit hätten und  daher besser aufpassen müssten. Eigenartige Logik.

Das Velotraining konnte ich erst vor Kurzem wieder aufnehmen. Physiotherapie und Krafttraining sind jetzt angesagt. Es geht mir aber wieder schon sehr gut und ich kann den Hals praktisch beschwerdefrei wieder bewegen. Die Vorbereitungen laufen ansonsten auf Hochtouren. Reiseinfos sammeln, Homepage auf Vordermann bringen, Gespräche und Kontakte mit Helvetas, Partnern,  Sponsoren und Medien. Die Ausrüstung ist fast komplett. Vieles konnte ich beim Outdoor-Laden “Landweg” in Bubendorf beziehen, der mich während dieser Reise sponsert. Das neue Material habe ich teilweise bereits getestet (um danach sofort die Veloschuhe gegen ein anderes Fabrikat einzutauschen).  Zusammen mit Wolfgang, einem Radlerkollegen, den ich letztes Jahr in Norwegen kennengelernt habe und der einen Extrabogen gemacht hat, um mich vor der Abreise nochmals zu sehen, kurven wir fachsimpelnd zwei Tage in den Freibergen des Jura umherum. Unsere Erkenntnisse: wir wissen, woher Didier Cuche stammt und in welcher Käserei 18 Monate alter Gruyère gekauft werden kann.

Nachdem ich einige Tage Strand und Sonne mit Mélanie genossen habe, werde ich diese Woche die Wohnung auflösen. Tja, und dann sind die Tage gezählt bis zur Abreise Ende August.

 

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