• Lesotho

Abstecher zum Koenigreich Guge

Bereits frueher als erwartet melde ich mich aus dem fernen Tibet zurueck. Zur Zeit befinde ich mich in Tielong (Zhada), ca. 200 Kilometer suedlich von Ali (Shiquanhe). Wieder eine dieser Kleinstaedte im Niemandsland mit vielen Annehmlichkeiten einschliesslich Internet. Tielong ist das Sprungbrett fuer Besichtigungen der 20 km nahen Ruinen des Koenigreiches Guge. Dementsprechend sind viele auslaendische wie auch chinesische Touristen hier anzutreffen.

Nach drei Ruhetagen in Ali schwinge ich mich mit etwas schweren Beinen wieder auf den Sattel. Keine Ueberraschung, aber trotzdem eine willkommene Abwechslung: die ersten 80 Kilometer nach Ali sind seit einigen Jahren asphaltiert. Kurz vor der tibetischen Ortschaft Namru, wo ich mein erstes Tsampa verspeise, verlasse ich also den Highway 219 und wechsle auf eine holprige und steinige Piste rauf zu einem Pass von 5’325 M.ue.M, gefolgt von einem zweiten, den Ayi La (5’395 M.ue.M.). Die ueber 1’000 Meter Hoehendifferenz auf einer mehr schlechten als rechten Piste wollen erkaempft werden. Zwischendurch kann ich bei einer tibetischen Frau herrlich warme Wollsocken kaufen, die ich fuer die kuehlen Naechte, in denen das Wasser in den Trinkflaschen regelmaessig einfriert, dringend brauche. Die Fahrt durch das sandige Flussbett des Sutley Flusses, wo mir mein Velo staendig auszurutschen droht, ist lohnenswert. Ich radle durch eine bezaubernde Landschaft, umgeben von verwitterten und verwaschenen Berghaengen, eine Mischung aus Kappadokien und dem Grand Canyon.

Hier im Sutley-Tal, nahe Tsaparang, koennen die Ueberreste des Guge Koenigreiches besichtigt werden. Guge, in einem Seitental des suedwestlich verlaufenden Brahmaputra Flusses liegend, verdankte seinen Reichtum – wie die Koenigreiche Ladakh und Purang – dem Handel zwischen Tibet und dem indischen Subkontinent. Das Reich unterlag im 17. Jahrhundert Ladakh und zerfiel. Die Festung, die auf einem Felsen thront, wurde im Zuge der chinesischen Kulturrevolution arg zerstoert. Etliche Buddha-Statuten wurden vernichtet. Einzig die aus kunstgeschichtlicher Warte aussergewoehnlichen Wandmalereien haben die Verwuestungen einigermassen unbeschadet ueberlebt.

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